Wissenswertes über Tai Chi

(Quelle: TAI-CHI-Zentrum, Hamburg)

Tai Chi Quan (T'ai Chi Ch'uan) (gesprochen: Tai tschi tschuang)

Auch: Tai Ji Quan oder Tai Chi Chön

Bedeutung: Tai = Körper, Chi = Energie, Quan oder (Chön) = Faust

 

Tai Chi beruht auf dem Taoismus und bedeutet "Höchstes Prinzip". Auf dem Taoismus beruht auch die Philosophie des Yin und Yang, (das Gesetz der Polaritäten die einander bedingen).und der 5 Elemente (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser). Tai Chi wird regelmäßig betrieben zur allgemeinen Chi Pflege. Zum Tai Chi gehört auch das Tou Shou, (oder Push Hands) es ist die Kampfform des Tai Chi und das Qigong (gesprochen: tschikong) wird ehr zur speziellen Gesundheitspflege und Unterstützung bestimmter Meridiansysteme angewendet.

Daneben gibt es auch in den unterschiedlichen Stilen, Tai Chi – Kurz und Langformen, Schwert, - Säbel, - Lanze, und - Fächerformen.

Heute sieht man Tai Chi eher als Entspannung, und Anti Age–Programm und übt es wegen seiner gesundheitlichen Auswirkungen. Dies ist wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden.

Tai Chi Chuan, kurz: Tai Chi - genannt - ist in den letzten Jahrzehnten auch im Westen immer bekannter und beliebter geworden. Tai Chi ist in China der Gesundheitssport Nr. 1. (Es ist eine festgelegte Bewegungsfolge, die wie in der Meditation, in geistiger und körperlicher Entspannung, geleitet von einer tiefen Zwergfellatmung, im fließenden Rhythmus des eigenen Atems oder / Herzschlages „gelaufen“; das heißt sehr, sehr langsam und Bewusst gegangen wird. Es heißt auch „innere Form“ weil der Übende gewissermaßen mit sich selbst kämpft, mit seiner (Ent-) Anspannung, seiner (Un-) Konzentriertheit, seiner Nachlässigkeit, oder Selbstdisziplin mit seinem körperlichen und geistigen – (Be-) Unbewusstsein. Es ist eine Art Selbsterziehung / oder Selbstdisziplinierung. Durch das regelmäßige Training über viele Jahre führt diese „Meditation in Bewegung“, den Übenden dazu, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

Da Tai Chi auf dem Taoismus basiert, der asiatischen Philosophie des Tao, ist es Ziel des Tai-Chi-Treibens, neben der Gesundheitspflege, Meditation und Kampfkunst auch die damit verbundene Philosophie zu verstehen (z. B. I Ging- Weissagung , Tao te King- Sprüche u. Aphorismen, Zhuangzi- allegorische Geschichten). Ziel ist auch das Erkennen des Tao (des Weges), der höchsten Einheit. Es gibt 8 Wege:

  • Das Tao der Philosophie
  • Das Tao der Revitalisierung (innere Übungen)
  • Das Tao der ausgewogenen Ernährung
  • Das Tao der vergessenen Heilpflanzen
  • Das Tao der Heilkunst
  • Das Tao der sexuellen Weisheit
  • Das Tao der Selbstdisziplin
  • Das Tao des gestalteten Schicksals
  • Tai Chi Chuan heißt auch "Kampfkunst gemäß dem höchsten Prinzip" oder "Durch Ausüben der Kampfkunst das höchste Prinzip erfahren". Was nicht nur im Tai Chi gilt sondern auch im Kung Fu, Wu Shu, eben alle Kampfsortarten die aus dieser taoistischen Tradition gewachsen sind.

Qi - die Lebenskraft

(Nach der international anerkannten „Pinyin“ Umschrift wird das Chinesische „Q“ und „CH“ als tsch, wie in Tschechisch, gesprochen. Da Chinesisch eine gesungene Sprache ist, können gleich lautende Begriffe je nach Tonlage eine andere Bedeutung haben. Im Hochchinesischen gibt es 4 Tonlagen.)

Immer geht es dabei um den Zentralbegriff "Qi", oder Chi, die Vitalität oder Spannkraft, Atem, Energie - sei es bei Qigong, Tai Chi oder Tou Shou.

Der Begriff "Qi" umfasst im menschlichen und tierischen Körper: Körpersäfte, Blut, Atem und Bewusstsein. Chi ist aber auch Schwingung, körperliche wie geistige Bewegung, Klang / Stimme so wie der Puls und der Herzschlag, aber auch die Schwingung in den Körperzellen, den Zellkernen. „Qi“ ist aber auch in unserer Umgebung (Feng Shui), in jeder Pflanze und in jedem Raum, in jedem Gegenstand.

Stagnierendes Chi ist negativ, Steifheit, Stille (Yin), fließendes Chi ist positiv, Geschmeidigkeit, Klang (Yang). Um wirklich gesund zu bleiben müssen sich beide Kräfte die Wage halten, denn ein zu viel auf der einen Seite erzeugt automatisch ein zu wenig auf der anderen Seite. Zuviel Stille bringt Einsamkeit und zu viel Klang wird zum nervenden Lärm.

Geschichte

In China existiert eine sehr lange Chronik von Bewegungssystemen, die mit Gesundheit, Philosophie, Kampfkunst, Meditation, Taoismus, Mystik und Spiritualität verbunden sind. All dies hat zu den Umständen beigetragen, unter denen Tai Chi entstanden ist. Siehe Geschichte, Entwicklung, Herkunft, Tai Chi

Stile und Formen

Es gibt verschiedene Stilrichtungen die aus unterschiedlichen Landesteilen, Familientraditionen und Gesellschaftsschichten stammen. (s. Tai-Chi-Stile). Es gibt - auch innerhalb ein und desselben Stils - verschiedene Formen (Abläufe) mit unterschiedlicher Länge, Komplexität und Charakteristik. Dies entstand durch Zusammenfassung sehr ähnlicher formen während der Kulturrevolution (Peking Stil) Sehr bekannt und geschätzt ist die Traditionelle Langform , Kurzform und Schwertform des Yang-Stils.

Im Tai Chi gibt es äußere Formen wie (Wushu / shaolin) und innere Formen die unter dem Oberbegriff Wu Dang genannt werden. Die Hauptarten sind: Chen – Stil, Yang–Stil, der von Zen Meistern entwickelt wurde, dann Wu han – Stil, Wu – Stil und der Sun - Stil. Weit verbreitet ist neben dem Wu – Stil auch der Yang-Stil.

Gesundheit

Die Förderung der inneren Lebenskraft und ein ausgeglichener ruhiger Chi–Fluss durch eine gesunde Lebensführung ist das Hauptthema der Traditionellen Chinesischen Medizin.

In vielen Ländern wird Tai Chi heute als Gesundheit und Fitness Training ausgeübt. In Krankenhäusern und Kliniken wird es mit zunehmendem Erfolg auch zur Rehabilitation eingesetzt. Tai Chi verbindet auf harmonische Weise Körper, Geist und Seele. Es reguliert die Atmung, stärkt Herz, Kreislauf und Nervensystem und führt zu einer heiter- gelassenen Stimmung, mehr Wohlbefinden, Entspannung und Konzentration. Tai Chi Chuan ist Entspannungsmethode, "innere Kampfkunst", Gesundheitssportart und Meditation in Bewegung. Die gesundheitlichen Wirkungen lassen sich sehr bald im Training erfahren und sind wissenschaftlich in vielen Studien nachgewiesen - insbesondere für chronische und psychosomatische Krankheiten. Im Krankheitsfall sollte Tai Chi vielleicht besser in speziellen Gruppen oder im Einzeltraining gelernt werden.

Beim Praktizieren des Tai Chi soll keine Kraft angewendet werden, denn die Bewegungen sollen ohne Absicht, leicht und fließend sein. Die Konzentration ist bei der Atmung (Qi) im Dantian (oder Zinoberfeld,) eine Handbreit unter dem Bauchnabel und ca. 3,5 cm nach innen, genau in der Körpermitte. Denn nur innere Achtsamkeit und Chi sind nötig um die Form zu gehen, zu „laufen“. Stress und Anspannung werden durch diese innere "mentale Kraft" in Verbindung mit der lockeren, fließenden Bewegung abgebaut, der Qi–Fluss, der Energiefluss entwickelt sich und bleibt ruhig und gleichmäßig. Die passive geistige Haltung: Das „nichts Denken“ denken und „Chi fließen lassen“ ist das Wichtigste. Der Kopf wird so klarer, die körperliche und geistige Anspannung löst sich, was wiederum der allgemeinen Lebensführung dienlich ist.

Tai Chi: Traditioneller Yang-Stil von Meister Yang Zhenduo

Einer der weltweit bekanntesten Tai- Chi- Stile ist der Yang- Stil. Von diesem gibt es wiederum verschiedene Richtungen. Zu erwähnen ist hier die Form von Meister William C.C. Chen, daneben auch Meister Yang Zhenduo, der weltweit Yang Chengfu Center einrichtet, um Standards zu verbreiten. Standards für den Yang-Stil hatte sein Vater Yang Chengfu bereits um 1930 festgelegt.

Tai Chi - Symbolik, Symbole, Diagramme, I Ching

Tai Chi ist aus dem uralten "I Ging" erwachsen. Es gibt sehr enge Zusammenhänge zwischen den acht grundlegenden I- Ging- Trigrammen einschließlich der fünf Elemente der Chinesischen Alchemie (Metall, Holz, Feuer, Wasser und Erde) mit den grundlegenden 13 Stellungen. Zudem gibt es weitere Bezüge mit allen 64 I-Ching-Trigrammen und weiteren Taiji-Bewegungen einiger Formen (s. I Ching)

Kampfkunst/ Kampfsport

Es sind imaginäre Anwendungen (Applikationen), also Abwehr und Angriff. Statt mit äußeren Gegnern real zu kämpfen, konzentriert man sich kontinuierlich auf die eigene Atmung und Körperbewegung, während der Geist offen und frei bleibt. Eben ohne Absicht.

Kampfkunst/ Kampfsport - wenn mit Tai Chi die Aspekte des Yin und Yang, der 5 Elemente sowie der Gesundheit und der Meditation umgesetzt werden, so die Theorie des Tai Chi, wird man auch mit innerer Kraft, ohne übermäßige Muskelkraft im Kampf siegen können.

1999 wurde Tai Chi vom Internationalen Olympischen Komitee als Teil des chinesischen Kampfkunst Wushu anerkannt. (Kampfkunst/Kampfsport).

Push-Hands

Da Tai Chi seinen Ursprung in der Kampfkunst hat, kann man die Techniken in Partnerübungen auch als Anwendungen (Applikationen, Martial- Arts- Applications) trainieren. Die Tai- Chi- Anwendungen werden Push-Hands, Pushing-Hands oder Tuishou genannt

Gesundheit, Vitalität und Langlebigkeit

Die positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Tai Chi sind ein gangbarer Weg zu mehr Gesundheit, Ruhe und Wohlbefinden. Tai Chi ist eine sanfte ganzheitliche Gesundheitsübung für praktisch alle Menschen unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand. Tai Chi ist im Ursprungsland China Volkssport Nr. 1. Durch das lenken des Bewusstseins in die tiefgehende Bauchatmung (Zwerchfellatmung) kommt es zu einer vollkommenen Entspannung. Durch stetiges üben der weichen, fließenden Bewegungen wird der Körper beweglicher.

Meditation

Tai Chi wird auch "Taoistische Meditation in Bewegung" genannt. Ziel ist letztlich Natürlichkeit. Körper und Geist und Bewusstsein sollen zu ursprünglicher, ganzheitlicher Gesundheit zurückgeführt werden. Stress, Unruhe und Sorgen treten dabei in den Hintergrund. Der meditative Charakter des Tai Chi wird auch als wesentlich angesehen um durch Stärkung der Selbstheilungskräfte eine größtmögliche Gesundheit und Fitness zu erlangen. Meditation

Spiritualität

Der vorrangige spirituelle Aspekt ist die geforderte Loslösung vom Ego.

Stretching

Tai Chi ist ein ganzheitliches Stretching-Programm  Auf schonende, ausgewogene Weise werden die Sehnen und Muskeln gedehnt, das Bindegewebe des gesamten Körpers wird vitalisiert. Insbesondere wird die Beinmuskulatur gekräftigt; der Muskeltonus wird elastischer. Lendenwirbel und Beckenbereich profitieren.

Tai Chi ist eine von den Chinesen entwickelte Bewegungskunst, aber es ist viel mehr als eine bloße Übungsform oder ein Trainingsprogramm. Taijiquan ist eine innere kulturelle Form - es ist der chinesische Weg zu körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheit. Entstanden ist die Kunst etwa um das Jahr 500. Die natürlichen Selbstheilungskräfte, die Immunabwehr und die Widerstandskraft werden trainiert. Von unterschiedlichsten Menschen wird es ausgeübt, um die Gesundheit zu fördern, und innere Ruhe zu erlangen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Die Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin gehen seit Jahrtausenden in Theorie und Praxis davon aus, dass Krankheiten daraus entstehen, dass Qi, die innere Energie ungleich im Körper verteilt ist. Doch wenn das natürliche Gleichgewicht der Urkräfte Yin und Yang gestört ist, die TCM geht davon aus das die Ursache von Krankheit ein Ungleichgewicht zwischen z. B. „heiß“ und „kalt“ , „nass“ und „trocken“ im Körper ist, muss der Qi – Fluss wieder in Gang gebracht werden. Da kann die TCM durch verschiedene Methoden wie Shiatsu, Tui Na Massage, Schröpfen, Akupunktur, Kräuterheilkunde, bewusste Ernährung etc. den Qi – Fluss wieder ausgleichen / verteilen bzw. die Meridiane wieder Qi durchlässig machen.

Lifeskills

Tai Chi ist mehr als eine Entspannungskunst und mehr als eine Kampfkunst. Es ist eine Lebenskunst - es trainiert "Life-Skills", Praktiken, die das Leben erleichtern können. Tai Chi wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Man kann sich besser konzentrieren, wird klarer, entscheidungsfreudiger und effektiver. Dadurch wird man oft auch erfolgreicher im beruflichen und privaten Bereich.

Die anmutig fließenden Tai-Chi-Bewegungen reflektieren fließendes Wasser und ruhig ziehende Wolken und führen zu dem beruhigten Bewusstseinszustand, der auch das Ziel der Meditation im  Taoismus darstellt. Der Wandel der Welt wird besser verstanden, Denken und Vernunft dominieren, was oft auch positiven Einfluss auf das tägliche Leben hat, sodass zudem die Lebensqualität zunimmt und der Lebensstil positiv verändert wird.

Langsamkeit

Aus der Langsamkeit der Bewegung erwächst eine innere Ausgeglichenheit, ein Seelenfrieden, der die Konzentrationsfähigkeit auf die Tai-Chi-Bewegungen fördert.

Zehn Prinzipien

Tai Chi ist für jeden geeignet, benötigt keine Ausrüstungsgegenstände und nicht allzu viel Platz. Darüber hinaus kann Tai Chi sowohl drinnen als auch draußen praktiziert werden. Es bestehen enge Beziehungen zwischen dieser chinesischen Kunst und fernöstlicher Philosophie, insbesondere dem Taoismus. Diese alte chinesische Bewegungskunst vereinigt drei Hauptaspekte in sich.

Tai Chi als "Meditation in Bewegung stärkt die Körper-Geist-Einheit, die Konzentration und die Widerstandskraft. Als "Schattenboxen" basiert auf der weichen Kampfkunst einschließlich der "inneren Kampfkunst", der es um Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung zu einem besseren Menschen geht. Tai Chi als "Entspannung in Zeitlupe" ist eine schonende Gesundheitsübung, deren positive Auswirkungen wissenschaftlich immer besser dokumentiert werden.

Beim Studium der Zehn Prinzipien ergeben sich vielschichtige Zusammenhänge zu Tai-Chi-Geschichte, Gesundheit, Philosophie, Kampfkunst, Meditation sowie zum Taoismus,

Erläutert von  Dr. Stephan Langhoff (Tai Chi Zentrum Hamburg)

Meister YANG CHENGFU, der Vater des Lehrers YANG  ZHENDUO wies stets darauf hin, dass bei der kompetenten Weitervermittlung des Tai Chi ein allgemein anerkannter Qualitätsstandard  wichtig  sei. Er ließ dazu die bis dahin nur mündlich überlieferte „Zehn Prinzipien“ für seine Schüler aufschreiben. Sie sind sozusagen die „Zehn Gebote“ des Tai Chi und dienen als  Richtschnur bei der Einhaltung der nötigen Präzision. Nur bei ihrer genauen Befolgung stellen sich entscheidende Fortschritte ein, da sich gerade in diesen Prinzipien die Erfahrungen vieler großer Meister der Vergangenheit kristallisiert haben.

Obwohl diese zehn Punkte alles andere als wortreich sind, ist ihre Bedeutung doch außergewöhnlich tiefgehend und daher nicht immer leicht auszuloten. Sie werden auch nicht „isoliert“, Punkt für Punkt befolgt, sondern wirken zusammen, indem sie jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen und sich gegenseitig aufhellen.

1) Den Kopf gerade aufrichten

Der Grundgedanke ist, dass der Kopf sich streckt, sodass der Nacken gerade wird. Dies soll natürlich vor sich gehen und darf nicht erzwungen aussehen. Der Blick geht geradeaus und soll nicht starr oder „tot“ wirken. Es ist als ob man etwas auf dem Kopf balancieren würde. Im Kopfbereich und besonders im Blick kann sich dann der Wille oder Geist ("spirit") manifestieren. Der Mund bleibt auf eine natürliche Art geschlossen. Die Zunge wird nach oben gebogen, sodass die Zungenspitze hinter die oberen Zähne zu liegen kommt. Auch dies soll nicht übertrieben werden, sondern sich auf eine natürliche Art einstellen. Bei abwärts stoßenden Bewegungen wie etwa „Nadel in den Meeresboden“ folgen Blick und Kopf der Bewegungsrichtung.

2) Die Ruhe in der Bewegung

Tai Chi ist Meditation, eine “Stille-Übung”, wie man im Osten sagt. Das „Qi“ (Lebensenergie, Atem) soll in das „Dantien“ (Unterbauch, Kraftzentrum) sinken. Als gewünschte Folge stellt sich ein stabilisierendes Gleichgewicht ein sowie eine ruhige, stetige Atmung.  In dem Bewegungsablauf ohne körperliche Anstrengung und Anspannung wird auf schonende, natürliche Art die Atmung harmonisiert, intensiviert und angepasst.  Diese „Bauchatmung“ soll als voll und angenehm empfunden werden und sollte nicht passend zum Rhythmus der Bewegungen „gemacht“ oder erzwungen werden. Bei genügender Praxis wird sie sich „von selbst“ einstellen. Sie lässt sich für Anfänger besonders leicht bei der Eröffnung üben: Beim Heben der Arme wird eingeatmet und beim Senken aus. Zudem wird die „geistige Mitte“, das innere Gleichgewicht auf eine heiter-gelassene Art gestärkt: Man schafft ein unerschütterliches Bewusstsein, Offenheit und Flexibilität - und stellt sein eigenes Ego in den Hintergrund. Es geht um die Beruhigung der Emotionen. Vorbild ist eine ruhige Wasseroberfläche, die alles unverfälscht widerspiegelt.

3) Die Schultern, Ellbogen und Handgelenke senken

Dieses Prinzip hilft nachhaltig, den häufig zu beobachtenden Fehler zu vermeiden, dass man unbewusst die Schultern anhebt und anspannt. Das Tai Chi  wird dadurch kraftlos und die Bewegung ist keine Ganzkörperbewegung mehr. Bei den Ellbogen ist zu beachten, dass sie weder allzu passiv hängen gelassen werden noch zu steif nach außen gedreht werden. Oft äußert sich diese „Steifheit“ auch in der Haltung der Handflächen, des Handgelenks  und der Finger und mindert so auch die Wirksamkeit als Kampfkunst beim Stoßen und Greifen.

4)  Die Brust senken - Rücken dehnen

Der Brustkorb soll auf natürliche Weise gehalten werden, d.h. weder künstlich herausgestreckt noch zu sehr nach innen eingesunken sein. Auf diese Weise können sich die Schultern frei bewegen. Im Rücken soll sich ein rundes und gleichzeitig gestrecktes Gefühl einstellen: Von der Hüfte aufwärts kann so die innere Kraft aus der Wirbelsäule bis in die Finger aufsteigen und es kommt zu der angestrebten Ganzkörperbewegung. Meister FU sagt: „Wie eine Katze vor dem Sprung auf die Maus...“

5) Das Kreuz entspannen

Dieses Prinzip wird als das wichtigste angesehen! Ein entspanntes Kreuz sorgt für eine stabile, zentrierte Körperbasis und verleiht die angestrebte innere Spannkraft. Bei angespanntem Kreuz kann das Qi nicht sinken und die Kraft kann nicht übertragen werden. Hilfreich ist das Massieren des "Mingmen".

6) Die Leere und Fülle unterscheiden

Dieses Prinzip  behandelt das für  Tai Chi typische Verlagern des Körpergewichts auf lediglich ein Bein. Dies ermöglicht ja erst die anmutigen, fließenden Schrittfolgen - besonders wenn sie, wie gefordert,  in Zeitlupe ausgeführt werden. Dabei wird das belastete Bein als voll und das unbelastete als leer bezeichnet. Ihr stetig wechselndes Zusammenspiel ist ein wichtiger Aspekt der Yin-Yang-Theorie, die dem Tai Chi zugrunde liegt. Viele Zusatzpunkte gehören hierher, z.B. die Fußhöhlung und das Nachaußendrücken der Knie.

7) Inneres und Äußeres verbinden

Der Körper repräsentiert das Äußere. Es soll mit dem Inneren eine harmonische Einheit bilden. Mit dem Inneren ist der Geist, das Bewusstsein gemeint und insbesondere die ruhig-konzentrierte Absicht, die vorgeschriebenen Bewegungen auszuführen. Die Kultivierung des Willens ist somit ein zentraler Punkt. Der Geist führt und der Körper führt aus, ohne dass sozusagen ein Haarbreit dazwischen liegt. Hier zeigt sich die ursprüngliche Verbindung des Tai Chi zur Kampfkunst, wo es um Leben oder Tod ging. Das Innere soll sein wie ein verborgenes Schwert. Anders formuliert: Der Ausführende sollte ganz bei der Sache sein, mit Ernst und Hingabe wie ein guter Schauspieler (Vergleich von Yang Zhenduo).

8) Kraft des Geistes statt Körperkraft

Es geht beim Tai Chi nicht um den Einsatz bloßer, ungeschulter Körperkraft, denn diese führt zu steifen Bewegungen, sondern es geht um die Nutzung der Qi-Energie, die  in den Meridianen im entspannten Zustand am besten fließen kann und mithilfe des Geistes kontrolliert und kanalisiert werden soll.  Dieser gelöste und entspannte Zustand darf jedoch, so betont Yang Zhenduo immer wieder, nicht mit Schlaffheit verwechselt werden!  Die „innere Kraft“ soll vielmehr mit einem dosierten Maß von Muskelkraft kombiniert werden. Dies wird erst durch vieles und intensives  Üben voll entwickelt und ist dem Schmieden und Härten von Stahl vergleichbar. Man sagt: „Die Arme sind wie Eisen in Watte verpackt“. Die Sehnen, Knochen und Muskeln müssen dabei koordiniert in einer Ganzkörperbewegung ähnlich einer Meereswoge oder einem prallen Ballon zusammenwirken.

9) Unten und oben des Körpers koordinieren

Anfänger begehen oft den Fehler, dass sie zwar die Arme langsam und gleichmäßig bewegen, aber bei den Schritten abrupte oder schnellere Bewegungen ausführen. Dies macht jedoch die geforderte Ganzkörperbewegung unmöglich.  Hilfreich ist hierbei die genaue Berücksichtigung der Hüftbewegung. Die Wurzel der Bewegung liegt in den Füßen und soll über die Hüfte und die Wirbelsäule in die Arme gehen. Sie zeigt sich in den Händen! Hilfreich ist hier auch die Vorstellung der "Sechs Harmonien".

10)  Bewegung ohne Anfang und Ende

Bei anderen Kampfkünsten sind Beginn und Ende einer Technik oft klar erkennbar. Klar festgelegt sind sie auch beim Tai Chi, nur werden sie in einer steten Bewegungsfolge ausgeführt entsprechend einem langsam strömendem Fluss oder einem Kreis, der nicht endet. Sie verschmelzen zu einer Einheit, als würde man einen langen Seidenfaden aus einem Kokon ziehen. Die Endpunkte der Tai-Chi-Figuren sind also ideell und dauern nur „ein Blitzlicht“ lang, ohne dass es tatsächlich zu einem Anhalten kommen soll.